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quinta-feira, 24 de abril de 2008

Rilke

Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug,
um jede Stunde zu weihn.
Ich bin auf der Welt zu gering und doch nicht klein genug,
um vor dir zu sein wie ein Ding,
dunkel und klug.
Ich will meinen Willen und will meinen Willen begleiten
die Wege zur Tat;
und will in stillen, irgendwie zögernden Zeiten,
wenn etwas naht,
unter den Wissenden sein
oder allein.
Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestalt
und will niemals blind sein oder zu alt,
um dein schweres schwankendes Bild zu halten.
Ich will mich entfalten.
Nirgends will ich gebogen bleiben,
denn dort bin ich gelogen, wo ich gebogen bin.
Und ich will meinen Sinn
wahr vor dir. Ich will mich beschreiben
wie ein Bild, das ich sah
lange und nah,
wie ein Wort, das ich begriff,
wie meinen täglichen Krug,
wie meiner Mutter Gesicht,
wie ein Schiff,
das mich trug
durch den tödlichsten Sturm.

segunda-feira, 14 de janeiro de 2008

Bangnis, Rilke

Bangnis

Im welken Walde ist ein Vogelruf,
der sinnlos scheint in diesem welken Walde.
Und dennoch ruht der runde Vogelruf
in dieser Weile, die ihn schuf,
breit wie ein Himmel auf dem welken Walde.
Gefügig räumt sich alles in den Schrei:
Das ganze Land scheint lautlos drin zu liegen,
der große Wind scheint sich hineinzuschmiegen,
und die Minute, welche weiter will,
ist bleich und still, als ob sie Dinge wüßte,
an denen jeder sterben müßte,
aus ihm herausgestiegen.

Anxiousness
(Transl. Cliff Crego)

In the faded forest sounds the call of a bird,
which seems so meaningless in this faded forest.
And yet the resonant call of the bird rests
in this moment which brought it forth,
as wide as the heavens above the faded forest.
Docilely, everything empties itself into the cry:
The entire countryside seems silently there,
the immense wind seems nestled inside,
and the minute, that wishes to move on,
is ashen and quiet, as if it knew things
that, in order for them to rise out of him,
a man would first have to die.

Atendendo a pedido... o proximo e italiano !

segunda-feira, 24 de dezembro de 2007

Rilke, Erinnerung

Erinnerung

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.
Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.

Rememberance

(Translated by Albert Ernest Flemming)

And you wait, keep waiting for that one thing
which would infinitely enrich your life:
the powerful, uniquely uncommon,
the awakening of dormant stones,
depths that would reveal you to yourself.
In the dusk you notice the book shelves
with their volumes in gold and in brown;
and you think of far lands you journeyed,
of pictures and of shimmering gowns
worn by women you conquered and lost.

And it comes to you all of a sudden:
That was it! And you arise, for you are
aware of a year in your distant past
with its fears and events and prayers.